Das Schicksal des Stammes vom Baum-über-dem-Rauschen

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Das Schicksal des Stammes vom Baum-über-dem-Rauschen

Beitrag von Elegias am Di Okt 13, 2015 11:50 pm

Er war der Älteste seines Stammes und für seinen Schutz verantwortlich. Die anderen sahen zu ihm auf. Und ebenso war er für den Schutz des Baumes zuständig, den sie ihr Heim nannten. Prächtige Hütten von Gras und Holz hatten sie auf seinen Ästen errichtet. Der größte Stamm ihrer Art waren sie in der Umgebung. Und er war klug. Hier oben waren sie sicher vor den Tieren der Umgebung.

Doch als die Nacht hereinbrach näherten sich die Riesen. Sie hatten Schwarze, harte Schuppen und ihr tritt zerquetschte Gras und Erde mit Leichtigkeit. Giganten von dem zehnfachen seiner Größe. Und sie begannen, Löcher in die Wurzeln und die Erde um den Baum zu schlagen.

Ihm war Angst und Bange, doch er wusste, er musste handeln. Ein paar kurze Befehle schickten die anderen auf die Äste hinaus, wo sie ihre Abwehr vorbereiteten. Riesige Geschosse wälzten sie herbei, Früchte des Baumes, die er ihnen zur Abwehr überlassen hatte. Nacheinander versicherten die anderen, in Position zu sein, die Giganten zu attackieren.

Derweil versenkte er sich auf sein inneres Selbst, tastete nach dem Baum und beschwor seine Mächte. Zwei der Giganten waren schon nah an die Borke des Stammes gerückt und er konnte sie vielleicht erreichen. Er würde sie ausschalten müssen, denn es waren viele. Zuerst rief er eine Ranke herbei, die er blitzartig aus dem Boden bohrte. Hinterlistig umschlich er das Bein eines der Giganten und zurrte sich fest, damit er nicht noch näher kommen konnte.

Dem anderen wollte er eine Blume vorsetzen, deren Duft große Tiere ablenkte. Normalerweise wandten sie sich anderen Geschäften zu, denn der Staub ließ ihre Gedanken treiben. Doch der Gigant war zu schlau. Vielleicht hatte er unter seinen eisenschuppen auch einfach kein Blut oder Herz oder Gefühl.

Dafür gelang es ihm, den anderen zu Fall zu bringen und an den Boden zu fesseln. Er würde den Baum nicht mehr bedrohen. Er gab seinen Geschwistern das Signal anzugreifen. Zuerst traf der jüngste und der Gigant taumelte, doch ging er nicht in die Knie.

Derweil zerstörte etwas seine Ranke und befreite den Giganten am Boden, was ihn aus seiner Konzentration riss. Nun, da die Gegner sie bemerkt hatten, durften sie keine Zeit verschwenden. Eilig befahl er weitere Angriffe. Noch ein Treffer, diesmal weiter vom Stamm entfernt. Und der Pfiffikus ihres Stammes nutzte das Jung-Klöschen aus dem Holzhaus eines Vogels um einem weiteren Giganten die Sicht zu rauben.
Doch dann kam eine Schlange aus Feuer nach oben und überschüttete alles mit gleißenden Funken, als hätten die Giganten die Sonne selbst beschworen. Nie zuvor hatte er solche Magie gesehen. Er nahm seine Kraft zusammen und sammelte die Stärke des Baumes unter ihm, während er seinen Stab hob.

Doch die Giganten blieben nicht untätig. Bis beinahe zum Rand der Umgebung, über seinen Blühort hinweg erstreckte sich ein goldener Schimmer, als gäbe es einen neuen Horizont. Er nahm all seine Kraft zusammen und feuerte die Essenz einer Fliegentöterblume hinunter, die er aus seinem Gedächtnis kannte. Doch dieses unheimliche Licht ließ den Angriff zerplatzen wie ein Blatt einen Regentropfen.

Plötzlich war es Taghell, als Blitze aus reinem Licht die Finsternis erhellten. Länger und höher als einer der ihren Rasten sie zu ihnen empor und zerschmetterten das Haus des Jungen. Er hatte versagt. Eilig befahl er den seinen den Rückzug. Erst zum Herz des Baumes, dem Platz, von dem die Äste den Stamm verließen. Doch wusste er, dass die Giganten ihn hier sicherlich zu finden vermochten. Er nahm stumm Abschied. Wehmut machte ihm das Herz schwer, als er die Verbindung löste.

Er trieb die seinen zum westlichen Ende seiner Heimat. Dort ragten die Äste über das große Wasser, dass in unendlicher Tiefe dahinfloss. Ihre letzte Chance. Der Jüngste Sprang, den Pfiffikus musste er überzeugen. Der Große folgte. Die letzten beiden wollten nicht springen, so stieß er sie, bevor er selbst hinterher sprang.

Die Dunkeltiefe erwartete ihn. Das Unbekannte. Er hoffte, das es weit genug war, dass die Schwarzschuppenwesen mit ihrer Macht des Tages und der Flamme ihn dort nicht zu finden vermochten. Nie hatte er etwas so fremdes und übermächtiges gesehen wie jene Wesen.
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